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Gastkolumne von Mitte Juli 2000
Schon
letztes Jahr haben Peter und ich den nachbarlichen Balkon von Rosmarie und Urs
betreut. Logisch, dass wir auch in diesem Sommer zu dieser Pflege überredet
wurden. Mit einem Unterschied: Die 50-jährige Rosmarie wurde durch eine 25-jährige
Kahlinka ersetzt. Na ja, vielleicht die Pflanzen auch? Statt rund geschnittenen
Margeritenbäumchen wachsen dort jetzt eventuell giftige Daturas mit ihren wunderschönen
Blüten, die so verführerisch duften, deren gut verpackten Samen Rausch oder
Tod bringen können, wer weiss? Kahlinka kenne ich ja nur so von zwei Begegnungen
im Gang oder in der Waschküche (dort bin ich nie länger als zwei Minuten) und
dann kenne ich sie natürlich aus den Erzählungen der verheulten Rosmarie vom
letzten Jahreswechsel. Warum trennen sich Paare eigentlich immer während der
Festtage? Das ist eine Frage, die wir jetzt nicht erörtern wollen.
Laut Rosmarie wäre die Datura (Engelstrompete oder Stechapfel!) wohl die passendste Pflanze für Ihre Nachfolgerin bei Urs.
Denkste! Dort wachsen - wächseln wäre wohl der bessere Ausdruck- weiterhin Margeritenbäumchen, Geranien - wirklich traurige -, Petunien und was man sonst noch so im Grossmarkt um die Ecke kaufen kann. Alle gut besucht von Blattläusen unterschiedlicher Farbe. Was vom Basilikum noch übrig ist, verbreitet einen Schwarm von weissen Fliegen. Alles ist klebrig und überall Ameisen. Alles wie gehabt im letzten Jahr.
Da frage ich mich doch:
Warum trennen sich Männer von einem Margeritenbäumchen um es gegen ein anderes
Margeritenbäumchen einzutauschen? Weil die so schön vom Gärtner in Form geschnitten
wurden? Weil sie, wenn man sie nicht pflegt, wenn man sie nicht von ihren abgestorbenen
Teilen befreit um sie zu neuer Blüte zu bringen, einfach verkümmern - um dann
gegen das Gleiche eingetauscht werden können? Lieber Urs, beim nächsten Wechsel:
bitte eine Datura!
Viele liebe Grüsse, Eure Balkonia