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Gastkolumne März 2001
Am
Schmutzigen Donnerstag haben Balkonias - wie jedes Jahr - die Sommerreifen an
ihr Auto montieren lassen und die Pflanzen von ihren, vor Kälte schützenden
Blöterlifolien befreit, schliesslich hat die Fasnacht den Auftrag den Winter
endgültig zu vertreiben. Na ja, die heutigen Guuggenmusigen sind auch nicht
mehr das, was sie mal waren. Jedenfalls taugen sie nicht mehr zum Wintervertreiben.
Liegt wahrscheinlich an der Musikauswahl: Deutsch-rheinländisches Faschingsliedergut
lässt die Temperaturen in den Keller fallen und die fantasielosen Einheitsbreigwändli
haben bei Petrus das dringende Bedürfnis ausgelöst, das ganze laute Treiben
mit geräuschdämpfendem Schnee zu bedecken. Jedenfalls am Donnerstag. Die Pflanzen
waren schnell wieder eingepackt und das Auto hat Winterferien verordnet bekommen.
Güdismontag sind dann Peter und ich nach langem Sollnwirsollnwirnicht, abends zu Gennaro essen gegangen und haben uns die verschieden Sujets der mehr oder weniger aktiven Fasnächtler angeschaut. Da stellt sich doch unweigerlich die Frage: weshalb haben so viele ansonsten vernünftige Menschen das dringende Bedürfnis, sich an der Fasnacht als Baby zu verkleiden? Mit Nuggi und Windeln und in rosa oder hellblau gehaltene Kleinstkinderhüdali verpackt. Warum verkleiden sich so viele Männer an der Fasnacht mit Frauenkleider und umgekehrt? Matrosen sind etwas aus der Mode gekommen, dafür sieht man häufig Kapuzinermönche und Ärzte, Strassenkehrer waren dieses Jahr auch ziemlich In. Gehen wir mal davon aus, dass sich diese Leute an der Fasnacht ihr Traumdasein für eine Woche verwirklichen, wie unglücklich sind sie wohl den Rest des Jahres, beispielsweise ohne Windeln und Schnuller? Na lassen wir das, aber am Aschermittwoch schaue ich mir den netten Schalterbeamten in der Bank immer etwas misstrauisch an: Trauert der wohl immer noch seinem Dreitagejob als Strassenkehrer nach?
Mit der Fasnacht ist es
ganz ähnlich wie mit unserer Blume des Monats: Unauffällig bereitet sich der
Löwenzahn auf seinen grossen Auftritt vor, sei's zwischen Kopfsteinpflastern,
in Mauerspalten, auf Wiesen oder sonst wo, um für ein Paar Tage seine Farbenpracht
zu entfalten und dann: Pusteblume!
Bis bald, Eure Balkonia