Die Pflanze
des Monats Oktober:
Der Apfel(baum)
In Europa gehen die Spuren unserer Apfelbaum-Kultur bis in die Jungsteinzeit zurück. Erstmals wurden Apfelbäume vermutlich in der Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer angepflanzt. Auch in prähistorischen Siedlungen an Schweizer Seen sind verkohlte Reste von Äpfeln gefunden worden. Und Äpfel waren eine Lieblingsfrucht der antiken Griechen und Römer. Sie, die Römer, kultivierten bereits 23 Sorten. Die meisten Sorten entstanden vor allem aber im 18. und 19. Jahrhundert.
Heute ist der Apfel ist in den kühlgemässigten Regionen Europas das wichtigste Obst, das nicht nur roh gegessen, sondern auch zu Trockenäpfeln, Apfelmus, Apfelkuchen, Marmelade, Kompotts sowie zu Säften, Most, Essig oder Pektin verarbeitet wird. Das Holz von Apfelbäumen ist hart, haltbar und sehr fein gemasert; es wird unter anderem für Holzschnitte genutzt.
Dank dieser Vielseitigkeit bei der Verwendung findet man für nahezu jeden Standort eine geeignete Sorte. Zumal Apfelbäume in der Regel winterhart sind. Im Winter darf es bis zu -20 Grad C kalt werden, im Sommer 25 bis 30 Grad C warm. Im Anbaugebiet sollten Wintertemperaturen also unter dem Gefrierpunkt liegen, doch dürfen keine Spätfröste auftreten.
Für ein erfolgreiches Wachstum ist eine ausgewogene Nährstoffversorgung notwendig. Deshalb sollte man im Frühjahr einen Volldünger verabreichen und die Baumscheibe ein- bis zweimal jährlich mit gut verrottetem Kompost abgedeckt.
Während Trockenperioden müssen sie von Zeit zu Zeit gewässert werden.
Entscheidend für den Wuchs ist auch der Boden. Am besten gedeiht ein Apfelbaum in tiefgründigen, mit Humus versorgten Böden. Platzbedarf: schwachwüchsig 2 bis 2,5 m², Hochstamm ca. 30 m². Ist Ihr Garten sehr klein oder steht nur wenig Platz zur Verfügung, wählen Sie einen Baum, auf den bereits zwei oder drei Sorten veredelt sind. In Frage kommen hier auch die noch relativ unbekannten Ballerina-Sorten. Sie zeichnen sich aus durch kompakten, säulenartigen Wuchs ohne Seitenäste, erreichen eine Höhe von etwa drei Metern und beanspruchen pro Baum nicht mehr als 50 x 60 cm Platz. Sie eignen sich daher hervorragend für den Anbau im Kübel, zur Grundstücksabgrenzung und als Sichtschutz.
Wenn Sie bezüglich
des Bodens in Ihrem Garten unsicher sind, holen Sie sich am besten Rat bei einer
Obstbaumschule. Dort wird ihnen sagen können, welche Sorte und Baumform,
– ob Halbstamm, Hochstamm, Spindel, Spalier oder Busch – für
den von Ihnen gewählten Standort in Frage kommt. Entsprechend wird man
Ihnen auch die notwendige, pollenspendende Sorte empfehlen, denn Apfelbäume
sind in der Regel selbst unfruchtbar. ![]()
Das heisst: Die meisten Apfelsorten benötigen Fremdbestäubung, um ausreichende Fruchtmengen zu liefern. Bestimmte grossfruchtige (triploide) Sorten sind aufgrund ihrer genetischen Struktur (dreifacher Chromosomensatz) als Bestäuberpflanzen wertlos. Es müssen daher auf solchen Plantagen zwei diploide Sorten (zweifacher Chromosomensatz) vorhanden sein, die sich gegenseitig und zudem die triploide Sorte bestäuben.
Beschnitt: Regelmässiges Zurückschneiden trägt dazu bei, dass ein Apfelbaum gesund und kräftig bleibt. Die Apfelkrone sollte immer licht und locker sein – also alles alte und nach innen wachsende Holz wegschneiden. Bei regelmässigem Fruchtertrag und bei geringem Triebewachstum wird der Winterschnitt vorzugt, was das Holzwachstum anregt. Bei sehr starkem Wachstum und überreichen Fruchtansätzen empfiehltt es sich indes, im August – sobald die Früchte walnussgross sind – zu schneiden und auszudünnen. Prio Fruchtstand lässt man dann ein bis zwei Apfel stehen. Diese werden dann grösser, intensiver in Farbe und im Geschmack und der Baum kann wieder genügend Fruchtknospen fürs nächste Jahr ausbilden.
Krankheiten: Zu den häufigsten Schadbildern gehören der Befall durch Pilzkrankheiten wie Mehltau, Apfelschorf sowie der sehr gefürchtete Feuerbrand. Zu den tierischen Schädlingen zählen Apfelbaumgespinstmotten, Apfelblattwickler, Apfelblütenstecher, Blattläuse, Apfelblattsauger (Blattflöhe), Apfelsägewespen und Milben. Nagetiere, besonders Wühlmäuse, aber auch andere Kleinsäuger wie Kaninchen können den Bäumen ernsthafte Schäden zufügen.
Ente und Lagerung:
Die Ernte beginnt, sobald sich die Früchte leicht vom Stiel lösen.
Lagersorten werden schon vor diesem Zeitpunkt geerntet, das erhöht die
Haltbarkeit. Es ist darauf zu achten, dass Lagersorten keinerlei Verletzungen
oder gar Faulstellen haben. Äpfel werden in einem frostfreien Raum bei
gleichmässiger Temperatur aufbewahrt werden.
| Neue Apfelsorten: | ||
| Sorte | Erntezeit | Haltbarkeit |
| Boskoop | Mitte Oktober bis November | bis April, ab Januar genussreif |
| Cox Orange | Oktober | bis Februar |
| Elstar | Ende September bis Mitte Oktober | bis Dezember |
| Freiherr von Berlepsch | Ende Oktober bis November | bis März |
| Geheimrat Oldenburg | September | bis Dezember |
| Golden Delicious | Mitte Oktober bis Mitte November | bis April, ab Januar genussreif |
| Goldparmäne | Mitte September bis Mitte Oktober | bis Februar, ab November genussreif |
| Gravensteiner | Mitte August bis Mitte September | bis Dezember |
| James Grieve | Mitte September bis Mitte Oktober | bis Ende November |
| Jonagold | Ende September bis Mitte Oktober | bis Dezember |
| Klarapfel | Juli | nicht lagerfähig, nur für Frischgenuss |
| Ontario | ab Ende Oktober | bis April, ab Januar genussreif |
| Winterglockenapfel | Oktober | bis April, ab Januar genussreif
|
| Alte Sorten: | ||
| Sorte | Erntezeit | Haltbarkeit |
| Ananasrenette | Mitte Oktober | November bis März |
| Jakob Lebel | Ende September bis Anfang Oktober | Oktober bis Dezember |
| Jakob Fischer | Anfang bis Mitte September | September bis November |
| Kaiser Wilhelm | Mitte Oktober | Dezember bis März |
| Prinz Albrecht von Preussen | Oktober | Oktober bis Januar |
| Rote Sternrenette | Mitte Oktober | Oktober bis Dezember |
| Schöner aus Nordhausen | Mitte bis Ende Oktober | Dezember bis April |
| Winterrambur | Mitte Oktober | Dezember bis März |
| Zuccalmaglio | Ende Oktober | November bis April |
Der Apfelbaum gehört zur Gattung der Rosengewächse und es gibt keine Frucht mit einem grösseren Sortenreichtum. Botaniker gehen davon aus, dass es weit über 20 000 Apfelsorten gibt, von denen allerdings nur wenige im Handel sind. Die Sorten werden nach ihrem Verwendungszweck in Tafeläpfel, Kochäpfel, Mostäpfel und Zieräpfel eingeteilt. Zu den bekannten Sorten gehören Boskop, Cox' Orange, Jonathan, Gravensteiner und Golden Delicious.
Unser Gartenapfel oder Kulturapfel basiert vermutlich auf natürlichen Kreuzungen verschiedener Arten, zu denen auch der einheimische, in Wäldern und Gebüschen wachsende Holzapfel gehört. Diese Art – auch Wildapfel genannt hat dornige Zweige und kleine, herb schmeckende, holzige Früchte. Heute werden Apfelsorten zumeist durch kontrolliertes Kreuzen der gewünschten Elternpflanzen entwickelt.
Der Apfel ist im botanischen Sinn eine Scheinfrucht. Denn l nicht nur der Fruchtknoten, sondern auch das Gewebe der Blütenachse ist an der Fruchtbildung beteiligt. Das Kerngehäuse bildet die eigentliche Frucht. Der Vielzahl der Sorten entsprechend sind die äusseren Merkmale von Äpfeln sehr unterschiedlich. Die Farbe der Schale reicht von grün über gelb bis zu einem fast schwarzen Rot. Äpfel bestehen zu 84 Prozent aus Wasser, zu 8 Prozent aus Invertzucker, zu 2 Prozent aus Rohfasern und zu 0,7 Prozent aus Fruchtsäuren. Der Gehalt an Vitamin C ist abhängig von der Sorte, er beträgt rund 3 bis 35 Milligramm pro 100 Gramm.
Systematische Einordnung:
Apfelbäume gehören zur Familie Rosaceae. Sie bilden die Gattung Malus. Der Holzapfel heisst botanisch Malus sylvestris, der Gartenapfel wird als Malus domestica, in mancher Literatur aber auch als Malus sylvestris var. domestica und damit als Varietät des Holzapfels bezeichnet.
Ergänzende
Infos:

Nur
noch etwa 5 Prozent
der Tafeläpfel stammen von Hochstammbäumen. Diese wurden früher
vor allem in Obstwiesen angepflanzt, die artenreiche Lebensräume für
Vögel, Fledermäuse, Bilche und Insekten waren. Der Trend hat sich
heute leider hin zu grösseren, ökologisch wertlosen, aber wirtschaftlich
einträglichen Obstplantagen mit Niederstämmen bewegt. Hier kann man
die Bäume bequemer pflegen, die maschinelle Schädlingsbekämpfung
ist einfacher, und die Äpfel lassen sich leichter pflücken.

Manche
Apfelblüten sind weiss, die meisten jedoch
rosa getönt oder gestreift. Einige wenige Apfelarten blühengar leuchtend
rot.

Ende
der 90er Jahre betrug die Weltapfelernte jährlich
etwa 55 Millionen Tonnen. Die erfolgreichsten Produzenten sind China und
die Vereinigten Staaten; die führenden europäischen Apfelerzeuger
sind Frankreich, Deutschland und Italien. Ein erheblicher Teil der Ernte wird
zu Apfelwein (in der Schweist "Most", in Südwestdeutschland „Moscht",
in Hessen „Äbbelwoi", in Frankreich „Cidre" und in
Großbritannien „Cider" genannt) oder zu Branntwein verarbeitet.
Frankreich ist der führende Hersteller von Apfelbranntwein wie dem berühmten
Calvados.