Die Pflanze des Monats Oktober 2005:
Die Herbstzeitlose
Wer Bärlauch schätzt, freut sich auf den Frühling, wenn dessen Blätter im Wald spriessen. Doch aufgepasst: Nicht alles, was wie Bärlauch aussieht, ist auch Bärlauch! In nächster Nähe findet man oft die Herbstzeitlosen. Sie enthalten ein hochwirksames Zellgift, das Colchicin, von dem schon weniger als 1 mg pro kg Körpergewicht lebensgefährlich sind.
Die Herbstzeitlose ist eine mehrjährige Pflanze und stammt ursprünglich aus Westasien und Teilen des östlichen Mittelmeerraumes. Sie findet sich heute aber auch in
Süd-, Mittel- und Westeuropa und gilt mitterweile als die einzige einheimische der mit rund 65 in Eurasien verbreiteten Arten der Gattung Zeitlose. Man trifft sie auf feuchten Wiesen und in Auenwäldern an.
Die Herbstzeitlose hat einen ungewöhnlichen Lebenszyklus: Im Frühjahr wachsen aus der Knolle fleischige, tulpenähnliche Blätter empor, die eine Höhe von etwa 40 Zentimetern erreichen. Von August bis Oktober, wenn die Blätter abgefallen sind, erscheinen rosa bis lilafarbene, seltener auch weisse, einzeln stehende Blüten.
Standort: Die Herbstzeitlose liebt feuchte Wiesen und sonnigen oder halbschattigen Standorten, an denen es relativ warm ist und sie nicht ungeschützt dem Wind ausgesetzt ist.
Alle Teile der Herbstzeitlosen enthalten das giftige Alkaloid Colchicin, ein Kapillar- und Mitosegift. Vergiftungserscheinungen treten meist erst mit zwei bis sechs Stunden Verzögerung ein: ein Brennen im Mund, dann Schluckbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen mit oft blutigen Durchfällen. Je nach Dosis kann es vor allem bei Kindern bis zum Tod durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen kommen; häufig beobachtet man auch Nierenschädigung. In der Literatur wird eine Sterblichkeit von 90 Prozent angegeben. Als tödliche Dosis gelten bei Erwachsenen etwa 20 mg, entsprechend 5 g Samen oder 50 g Blättern.
Dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum sind von 1966 bis Ende 2004 über 200 Unfälle mit Herbstzeitlosen gemeldet worden. Fünf Vergiftungen endeten tödlich, weitere neun verliefen schwer.
Die Herbst-Zeitlose ist zwar giftig, wird aber wegen seiner entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung auch als Mittel gegen Gicht eingesetzt.
Der Bärlauch ist eine in Europa, Kleinasien und Sibirien verbreitete Art der Liliengewächse, deren Blätter als Gewürz verwendet werden. Die elliptischen, flachen Blätter des 20 bis 50 Zentimeter hohen Bärlauchs überdecken meist ganze Teile eines Waldbodens, sterben jedoch vor dem Hochsommer ab. Blütezeit ist von Mai bis Juni – die in Dolden angeordneten Blüten sind weiss. Charakteristisch für den vor allem in feuchten Auenwäldern und Eschenwäldern vorkommenden Bärlauch ist der starke Knoblauchgeruch im Frühjahr. Blätter, Blüten und die Knolle des Bärlauchs sind essbar, sie enthalten Eisen und Vitamine.
Man kann beim Bärlauch grundsätzlich alle Pflanzenteile verwenden. Den besten Geschmack liefern jedoch die jungen Blätter im Frühling. Wichtig ist, dass man die Blätter sorgfältig abschneiden, nicht abreissen, dann ein Stück zwischen den Fingern zerreibt und daran riecht. Wenn es nach Knoblauch riecht, ist es auch tatsächlich Bärlauch und nicht Maiglöckchen oder Herbstzeitlose.
Mehr zum Bärlauch hier: de.wikipedia.org
Mehr zum Thema:
Systematische Einordnung / Name
Die Herbst-Zeitlose heisst mit botanischem Namen Colchicum autumnale. Sie gehört zur Familie Colchicaceae (nach früherer Sichtweise zur Familie Liliaceae).
Der Name Herbstzeitlose weist darauf hin, dass die Pflanze im Herbst und damit ausserhalb der Blütezeit anderer Pflanzen blüht. «Der Gattungsname Colchicum leitet sich hingegen von einer Landschaft am Schwarzen Meer ab, der Kolchis im heutigen Georgien. Dort soll auch die Heimat der sagenhaften Medea sein, ihres Zeichens Giftmischerin und Zauberin. Vermutlich besteht ein Zusammenhang zwischen den Sagen um eine Giftmischerin in dieser Region und dem dortigen Vorkommen der Herbstzeitlosenart Colchicum variegatum.» (Quelle: de.wikipedia.org)
Andere Namen für die Herbstzeitlose: Giftkrokus, Hahnenklöten, Hennegift, Herbstblume, Herbstlilie, Herbstvergessene, Hundsblume, Hundshoden, Hundsknofel, Kuhditzen, Kuheuter, Läuseblume, Leichenblume, Michelsblume, Michelwurz, Nacktarsch, Nackte Hur, Nackte Jungfer, Ochsenpinsel, Teufelswurz, Wiesenlilie, Wiesensafran, Wilde Zwiebel, Winterhauch oder Zeitlose.
Bärlauch: Der wissenschaftliche Name des Bärlauchs lautet Allium ursinum. Er gehört zur Familie Liliaceae.
Notfall-Telefon 145 Bei Magen-Darmbeschwerden nach Genuss von Bärlauch rufen Sie sofort das Schweizerische Tox-Zentrum an, denn bei einer allfälligen Colchicinvergiftung darf keine Zeit verloren werden:
Ergänzende Infos:

Die Herbstzeitlosen blühen von Ende August bis Oktober. Es sind mehrjährige Zwiebelblumen, die im August gesetzt werden. Ihr Laub erscheint im Frühjahr und verwelkt im Juli. Sie bevorzugt einen sonnigen Standort und nährstoffreichen, kalkhaltigen, durchlässigen Boden. Ansonsten sind Herstzeitlose anspuchslos und brauchen keinerlei Pflege.

Für Laien sieht die Herbstzeitlose dem Krokus sehr ähnlich. Die Pflanze ist giftig, allerdings werden Teile davon auch als entzündungs- und zellteilungshemmende Arznei verwendet. Die Blüten sind meist blassrosa bis violett gefärbt
Alpen-Zeitlose
(Colchicum alpinum) gehört zur gleichen Gattung wie die Herbst-Zeitlose. Achtung: Alle Zeitlosen sind giftig

Achtung, nicht verwechseln! Mehr dazu...

Herbstzeitlose: Blätter der Herbstzeitlosen ungestielt, lanzettlich, ohne Geruch

Bärlauch: Blätter des Bärlauch gestielt, elliptisch, charakteristischer Knoblauchgeruch

Bärlauch und das Maiglöckchen: Die Bärlauchblätter werden oft auch mit den Blättern der Maiglöckchen verwechselt. Alle Pflanzenteile der Maiglöckchen enthalten Herzglykoside. Die Einnahme von mehreren Blättern kann Erbrechen, Durchfall und einen verlangsamten Puls hervorrufen.
Quellen: Microsoft Encarta 2005, «Mein schöner Garten», diverse Websites zum Thema (mit jeweiliger Verlinkung)