Die Pflanze des Monats
August:
Die Hortensie
Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Kulturformen der Hortensie aus Japan nach England eingeführt. Auch die bei uns heute verbreiteten Arten stammen überwiegend aus Ostasien, doch kommen einige Hortensien auch in Amerika vor. Mittlerweile gibt es freilich zahlreiche Zuchtsorten, die durch Kreuzung mehrerer asiatischer Arten entstanden und in den Treibhäusern Europas beheimatet sind. Neuere Züchtungen zielen auf monatelange Haltbarkeit der Blütenbälle ab. Die «gute alte» Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla) ist jene, die man in den meisten Gärten antrifft. Sie lässt sich aber auch als Kübelpflanze gut kultivieren und wird überdies als Zimmerpflanze im Handel angeboten. Ihre Blütenfarben reichen vom reinen Weiss über Rosa, Rot und Blautönungen, wobei die Färbung der Blüten vom Säuregrad des Bodens abhängt. Die Hortensien blühen von Mai bis Ende August, werden aber schon im Februar blühend im Handel angeboten, doch kommen sie dann aus Treibhäusern und sind daher sehr empfindlicher.
Hortensien bilden eine eigene Familie, die Hortensiengewächse. Sie werden von einigen Botanikern aber auch den Steinbrechgewächsen zugeordnet. Charakteristisch sind ihre in meist doldenartigen Blütenständen angeordneten Blüten. Die äussersten Blüten bestehen dabei aus sterilen, also unfruchtbaren Blüten mit stark vergrösserten, blütenblattartigen Kelchblättern, die auffällig rosa, blauviolett oder auch weisslich gefärbt sind. Dagegen sind die inneren Blüten fruchtbar.
Die grossen Dolden sind nur Scheinblüten mit verkümmerten Blütenorganen, bei denen die Kelchblätter die Funktion der Blütenblätter übernommen haben – vergrössert und leuchtend gefärbt.
Hortensien
blau machen
Die Blütenfarbe von Hortensien, das heisst der Hydrangea macrophylla ist von der Bodenreaktion, dem so genannten pH-Wert (dem Säuregehalt im Boden), abhängig. Auf sehr sauren Böden (mit einem pH-Wert von 3,5 bis 4,5) blühen die Pflanzen blau, mit zunehmendem Kalkgehalt (pH-Wert zwischen 5,5 bis 6,5) werden die Blüten rosa oder rot.
Um den pH-Wert von beispielsweise 6,5 auf 5,5 zu senken, müssen auf zehn Quadratmetern Boden etwa 6 Ballen feuchter Torf eingearbeitet werden. Wer auf Torf verzichten will, kann mit speziellen chemischen Mitteln, wie Ammoniak-Alaun, Kali-Alaun oder Aluminiumsulfat mehrmals vor der Blütenbildung (am besten 0,5 prozentig, einmal wöchentlich) seine Hortensien giessen, bis die an Stiel und Blattknoten befindlichen Korkwarzen die gewünschte bläuliche Färbung annehmen. Im Gartenfachhandel gibt es auch spezielle Düngemittel, beispielsweise Osmocote Rhododendrondünger.
Hortensien
als Kübelpflanze:
Erde: Die Erde sollte sauer sein. Gut geeignet ist so genannte «Azaleenerde». Umtopfen sollte man alle ein bis zwei Jahre in saure, kalkfreie Erde im Frühjahr.
Auf Erde mit hohem pH-Wert
und kalkhaltiges Giesswasser reagieren Hortensien mit gelb verfärbten
Blättern. Längere Zeit falsch behandelt, gehen sie ein.
Winter: Im
Winter müssen die Pflanzen spätestens vor den ersten Frösten
eingeräumt werden und in einem ausreichend belüfteten frostfreien
Raum bei fünf bis acht Grad überwintern. Ab Februar darf der Standort
wärmer sein. Anfang März beginnt der Neuaustrieb, dann benötigen
die Pflanzen einen helleren, aber ebenfalls kühlen Standort.
Im Winterquatier erhält die Hortensie nur so viel Wasser, dass die Wurzelballen nie ganz austrocknen. In der Folgezeit sind sie täglich mit etwas Wasser zu giessen, wobei die Wassergaben stetig zu steigern sind.
Bauernhortensien werden
im Nachwinter ausgelichtet, wobei die jeweils ältesten Triebe sowie
beschädigtes Holz entfernt wird.
Standort: Hortensien dürfen nie austrocknen,
aber auch stauende Nässe bekommt ihnen nicht. Topfhortensien deshalb nie
direkt in die Sonne stellen.
Hortensien wünschen einen luftigen, halbschattigen Standort, eher etwas kühler, aber windgeschützter Lage. Ab Ende Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, können sie auf Balkon oder Terrasse gestellt werden.
Mindesttemperatur: - 5 °C
Giessen/Düngen: Hortensien brauchen im Sommer verhältnismässig viel Wasser – an sehr heissen Tagen sogar zweimal täglich. Man sollte sie gleichmässig feucht halten und nur mit Regenwasser oder enthärtetem Leitungswasser giessen.
Die Töpfe müssen gross genug sein, und zur Erleichterung der Giessarbeit kann man Untersetzer verwenden, die Pflanzen dürfen jedoch nicht länger als 15 Minuten im Wasser stehen. Ausserdem ist beim Giessen – um dem Mehltau vorzubeugen – darauf zu achten, dass Blüten und Blätter nicht nass werden.
Alle
10 Tage mit kalkarmen flüssigen Dünger von März bis August
versorgen.
Schnitt: Bei Bedarf kann man nach der Blüte
zurückschneiden. Aber erst, wenn sie wieder am vergrünen sind und «ledrig» werden.
Vermehrung: Durch Kopfstecklinge im Sommer. Sind die Pflanzen angewachsen, müssen sie gestutzt werden, damit sie sich buschig entwickeln.
Krankheiten und Schädlinge: Hortensien werden von Blattläusen, Spinnmilben und Pilzen wie Echtem Mehltau, Blattfleckenkrankheiten und Grauschimmel befallen. Bei Pilzkrankheiten müssen die befallenen Blüten und Blättwerden meist durch Eisenmangel hervorgerufen – der sich mit eisenhaltigen Düngergaben beheben lässt.
Hortensien
im Garten
Im Topf kultivierte Bauernhortensien können nach der Blüte – in der Regel ab Juni – im Garten ausgepflanzt werden. Am besten verwendet man dazu Weisstorf oder Moorbeet/Rhododendron-Erde. Ddie Pflanzen sind in der ersten Zeit nach dem Auspflanzen besonders gut vor Sonne zu schützen und ausreichend mit Wassergaben zu versorgen. Im übrigen gelten die gleichen Standort- und Pflegeregeln wie für die Hortensien, die im Kübel gehalten werden.
Im Winter sollte man die Hortensien im Garten vor dem ersten kräftigen Frost mit Tannenreisig abdecken, höhere Pflanzen werden mit Reisig eingebunden.
Tipps:
Rainer
Maria Rilke und die Hortensien – zwei Gedichte
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
Rosa Hortensie
Wer nahm das Rosa an? Wer wusste auch,
dass es sich sammelte in diesen Dolden?
Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden,
entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch.
Dass sie für solches Rosa nichts verlangen.
Bleibt es für sie und lächelt aus der Luft?
Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen,
wenn es vergeht, grossmütig wie ein Duft?
Oder vielleicht auch geben sie es preis,
damit es nie erführe vom Verblühn.
Doch unter diesem Rosa hat ein Grün
gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiss.Rainer Maria Rilke, Herbst 1907, Paris,
oder Frühling 1908, Capri
Systematische
Einordnung
Hortensien bilden die Gattung Hydrangea aus der Familie Hydrangeaceae bzw. den Saxifragaceae. Die korrekte botanische Bezeichnung der Gartenhortensien ist wegen der häufig ungeklärten Abstammung der Sorten oft schwierig. Meist bezeichnet man sie als Hydrangea macrophylla oder Hydrangea-Hybriden. Die Kletterhortensie heisst Hydrangea anomala ssp. petiolaris.
Konkret können die strauchigen Arten in drei Gruppen unterteilt werden, der Hydrangea paniculata -Rispenhortensie, der Hydrangea macrophylla – Bauern- oder Gartenhortensie – und der Hydrangea aspera – Samthortensie. Daneben gibt es noch eine kletternde Art Hydrangea petiolaris mit Haftwurzeln, die sich bis zu sieben Meter empor klettert.
Ergänzende
Infos:


Die
Hortensie (Hydrangea spec) kam 1789 von Japan nach
Europa. Seitdem sind zahlreiche weissblühende
Sorten und solche in Rottönen gezüchtet worden.

Die
blaue Färbung ist abhängig von der Bodenreaktion.
Bei niedrigem ph-Wert und entsprechender Düngung sorgt pflanzenverfügbares
Aluminium für eine Blaufärbung rosafarbener Sorten.

Neben
den klassischen Gartenhortensien gibt es noch die Kletterhortensien
sowie die Rispenhortensie (im Bild) mit ihrer ausgefallenen Blütenform.

Hortensien
eignen sich auch als Kübel- und Zimmerpflanzen. Der Standort
drinnen behagt den altmodischen Gewächsen mit den riesigen Blütenbällen
aber lange nicht so gut wie eine halbschattige, luftige Sommerloge im Freien – abgesehen
davon, dass sie fürs Fensterbrett schnell zu gross werden.
Quellen: Microsoft Encarta '99, «Mein schöner Garten», diverse Websites zum Thema (mit jeweiliger Verlinkung)