Die Pflanze des Monats August 2005:
Der Kaffeebaum
Kaffee ist nach Erdöl das zweitwichtigste Rohprodukt auf dem Weltmarkt und wird wie Aktien an der Börse in New York (Sorte Arabica) und London (Sorte Robusta) gehandelt. Sein Preis steigt und fällt, fällt und steigt. 1997 war der Rohkaffe so teuer wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dann fiel er im Laufe von fünf Jahren von über 400 auf 41 US-Cent pro Pfund (454 Gramm). Wie war das möglich? Der starke Anstieg des Preises hatte neue Produzenten auf den Plan gerufen – namentlich in Vietnam. Gleichzeitig rationalisierten die Brasilianer ihre Anbaumethoden. Das führte zu einem strukturellen Überangebot. Es war der Beginn einer Spirale, die Hunderttausende von Bauern in Armut – oder in den Drogenanbau – trieb. Noch ernährt der Verkauf seiner Früchte ernährt 125 Millionen Menschen, meist Kleinbauern, in fünf Dutzend Ländern. (Mehr dazu: www.biothemen.de)
Von den bis zu 80 Arten der Gattung aus der Familie der Krappgewächse sind nur drei wirtschaftlich von Bedeutung: der Arabische Kaffee, der Robusta-Kaffee und der Liberia-Kaffee. Der kleine Baum wird zwei bis sechs Meter hoch, trägt glänzendgrüne, eiförmige Blätter. Nach drei bis fünf Jahren werden sie abgeworfen. Die Blüten sind weiss und stark duftend und sie blühen nur wenige Tage. Sechs bis sieben Monate trägt der Baum Früchte. Sie sind zuerst hellgrün, später hellrot, und schliesslich, wenn sie reif und pflückbereit sind, werden sie tief karmesinrot. Die reife Frucht ähnelt einer Kirsche, weshalb man im Fachjargon auch von der Kaffeekirsche spricht. Sie wächst in Büscheln, die auf sehr kurzen Stielen an den Zweigen sitzen.
Anbau und Ernte:
Kaffee wächst vorwiegend auf den Inseln Java und Sumatra, in Arabien, Indien, Afrika, Süd- und Zentralamerika sowie auf den Westindischen Inseln: 2500 Kilometer nördlich des Äquators verläuft der Wendekreis des Krebses, 2500 Kilometer südlich der Wendekreis des Steinbocks. Die beiden Breitengrade umgrenzen einen tropischen und subtropischen Korridor, der sich wie ein grünes Band um den Globus legt. Nur dort wächst der Kaffeestrauch.
Was Wasser anbelangt, ist Kaffee eine wahre Primadonna: Die Bewässerung muss ausreichend, darf aber auch keinesfalls zu viel sein. Der Boden für den Kaffeeanbau muss fruchtbar und feucht sein, ideal ist und verwittertes Lavagestein. Er sollte Wasser einerseits zügig aufnehmen, dennoch aber ausreichend durchlässig sein, um überschüssiges Wasser abfliessen zu lassen. Kaffeebäume sind ausserdem sehr frostempfindlich und erleiden durch Kälte dauerhafte Schäden oder sterben sogar ganz ab. Die Wachstumstemperatur liegt zwischen 13 und 26 °C. Kaffeeplantagen werden von Meereshöhe bis zur tropischen Frostgrenze von etwa 1 800 Metern angelegt. Robusta-Kaffe und Liberia-Kaffee gedeihen am besten unter 900 Meter Meereshöhe, der Arabische Kaffee dagegen liebt grössere Höhen. Baum und Früchte sind durch Pilz- und Insektenbefall gefährdet; dies erfordert den Einsatz von Spritzmitteln. Die geringe Resistenz kommt daher, dass kultivierte Kaffeesträucher von nur wenigen Wildsträuchern abstammen und daher genetisch verarmt sind.
Vier bis fünf arbeitsintensive Jahre hindurch muss die Pflanze genährt und geschützt werden – die intensive Pflege umfasst Schneiden, Harken des Bodens, Düngen, Jäten, Mulchen und Bewässern –, bevor sie die ersten Früchte trägt. Die Lebensdauer einer Kaffee-Pflanze liegt bei 25 Jahren. Manche Pflanzen liefern 0,9 bis 1,3 Kilogramm marktfähige Kaffeebohnen im Jahr, aber bereits 0,45 Kilogramm gelten als durchschnittlicher Jahresertrag – für 500 g Bohnen müssen 2,5 kg Kaffeekirchen gepflückt werden. Den besten Ertrag wirft ein Kaffeebaum im Alter von sieben Jahren ab. Man pflückt die Bohnen von Hand oder man erntet die Früchte maschinell. Sofern ausreichend Wasser zur Verfügung steht, kann man die Bohnen nass aufbereiten. Dabei werden sie in Wasser aufgeweicht, und ihr Fruchtfleisch wird im so genannten Entpulper entfernt. Anschliessend werden sie in grossen Tanks fermentiert, wieder gewaschen und schliesslich entweder im Freien oder in beheizten, rotierenden Zylindern getrocknet. Bei der preiswerteren so genannten trockenen Aufbereitung werden die Bohnen nur getrocknet und ihre Ummantelung wird entfernt. Sowohl beim trockenen als auch beim nassen Verfahren muss das Endprodukt – grüner Kaffee genannt – entweder per Hand oder maschinell sortiert werden, um unbrauchbare Bohnen und Verunreinigungen zu entfernen, und die Bohnen nach Grössen zu sortieren.
Coffein: Coffein kann den grünen Bohnen durch Behandlung mit chlorinierten Hydrocarbonlösungen entzogen werden.
Kaffee-Ersatz: Kaffee-Ersatz oder Kaffeesurrogat ist die Bezeichnung für Röstprodukte von Pflanzenteilen, die wie Bohnenkaffee verwendet werden und in der Regel gemahlen in den Handel kommen. Die Kaffee-Ersatzstoffe sind meist aus Gersten-, manchmal auch aus Weizen- oder Roggenmalz oder anderen Getreidesorten produzierter Malzkaffee. Bekannt sind auch der sehr bitter schmeckende Eichelkaffee sowie Kaffee aus Löwenzahnwurzeln, zudem Feigenkaffee und der sehr häufig verwendete Zichorienkaffee (siehe Chicorée). Kaffee-Ersatzmischungen bestehen aus Kaffee-Ersatzstoffen und Bohnenkaffee in bestimmten Gewichtsanteilen, wobei sowohl das Hinzufügen von Kaffee-Ersatzstoffen als auch der Anteil des Bohnenkaffees auf der Verpackung deklariert werden muss. Kaffee-Ersatz ist zwar coffeinfrei, doch können durch den für den Geschmack wichtigen starken Röstvorgang bei der Herstellung der Zutaten Krebs erregende Kohlenwasserstoffe entstehen (Quelle: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005).
Geschichte
Wo und wann Kaffee zum ersten Mal kultiviert wurde, ist umstritten. Es gibt Quellen, die besagen, dass Kaffee in Arabien in der Nähe des Roten Meeres bereits um 675 angebaut wurde. Bis ins 15. und 16. Jahrhundert findet man aber kaum mehr Spuren eines bedeutenden Kaffeeanbaus. Dann begann man, in der jemenitischen Region Arabiens ausgedehnte Kaffeepflanzungen anzulegen. Der Kaffeekonsum nahm während des 17. Jahrhunderts in Europa stark zu, was Holländer bewog, Kaffee in ihren Kolonien anzubauen. 1714 brachten Franzosen den Setzling eines Kaffeebaum auf die Westindische Insel Martinique und pflanzen ihn erfolgreich an. Diese einzelne Pflanze war der Grundstock grosser Plantagen in Lateinamerika.
Mehr zur Geschichte: www.mr-kaffee.de
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Systematische Einordnung
Kaffee bildet die Gattung Coffea der Familie der Rubiaceae. Arabischer Kaffee trägt den botanischen Namen Coffea arabica, Robusta-Kaffee den Namen Coffea canephora und Liberia-Kaffee wird als Coffea liberica klassifiziert.
Ergänzende Infos:

Die Blätter des Kaffeebaums sind glänzend und immergrün.

Der Kaffeebaum kann gleichzeitig Blüten, grüne und reife, rote Früchte tragen, weshalb die Pflücker mehrmals im Jahr zu demselben Baum zurückkehren.

Meist enthält die Frucht des Kaffeebaumes zwei Samen (Bohnen), die in süsses Fruchtfleisch eingebettet sind.
Quellen: Microsoft Encarta 2005, «Mein schöner Garten», diverse Websites zum Thema (mit jeweiliger Verlinkung)