Die Pflanze des Monats Januar 2001: Orchidee
Orchideen gehören zu einer der grössten Gruppen von Blütenpflanzen. Die Familie ist weltweit verbreitet, nur in der Antarktis und den trockensten Wüstengebieten Eurasiens kommt sie nicht vor. Die grösste Vielfalt der Gattungen und Arten findet sich in tropischen Gebieten, die bisher wenig erforscht sind. Aus diesem Grund und wegen der Komplexität der Familie gehen Schätzungen weit auseinander: Hinsichtlich der Arten reichen sie von 15 000 bis 25 000, hinsichtlich der Gattungen von 400 bis 800.
Die Orchideen und ihre Verwandten unterscheiden sich von anderen Ordnungen der Blütenpflanzen nicht durch ein einzelnes Merkmal, sondern durch eine Kombination verschiedener Blütenmerkmale. Die Blüten der Orchideen stehen wie andere Blüten auf Stielen (Pedicellen), die sich bei ihnen jedoch während des Wachstums und der Entwicklung der Blüte um 180 Grad drehen, so dass die reife Orchideenblüte sozusagen auf dem Kopf steht.
Die Blüte der Orchideen
hat drei Kelchblätter (äussere Blütenhülle) und drei Kronblätter (innere Blütenhülle).
Alle Kelchblätter und die beiden seitlichen Kronblätter sind einander in der
Regel ähnlich, während das dritte Kronblatt immer anders aussieht; es ist in
der Regel grösser und hat eine andere Form und eine andere Farbe; oft ist es
stark geteilt oder becherförmig. Es wird als Labellum oder Lippe bezeichnet.
Häufig dient es als Landeplatz für den Bestäuber der Orchidee; diesen zieht
es durch spezielle Farbmuster und Formen an; der Bestäuber reagiert darauf jeweils
spezifisch.
Die Fortpflanzungsorgane der Orchideenblüte (Stempel und Staubgefässe) sind zu der so genannten Griffelsäule verwachsen, die gegenüber der Lippe liegt. Orchideen haben nur ein Staubgefäss (männliches Fortpflanzungsorgan); bei den meisten Arten hat dieses nur einen Staubbeutel (in dem die Pollen gebildet werden), bei einigen wenigen Arten gibt es jedoch zwei Staubbeutel. Anders als bei den meisten Blütenpflanzen ist der Pollen nicht körnig, sondern zu Paketen oder Beuteln von mehliger bis harter Beschaffenheit verklebt. In der Regel finden sich drei Narbenlappen (für den Pollen empfängliche Bereiche) in der Nähe des Staubbeutels; allerdings meistens nur zwei funktionsfähig. Der Fruchtknoten sitzt unter den anderen Blütenteilen und ist von Stielgewebe umgeben. Er ist dreifächerig und enthält zahlreiche Samenanlagen, aus denen nach der Reifung Samen werden. Die Samen sind klein; in ihnen findet sich ein nicht differenzierter Embryo. Eine einzige Orchidee kann in ihrer Samenkapsel bis zu zwei Millionen Samen bilden. Anders als die meisten anderen Blütenpflanzen haben die Samen der Orchideen kein Nährgewebe.
Orchideenblüten werden von einer Vielzahl fliegender Tiere bestäubt; in Anpassung an die verschiedenen Bestäuber haben ihre Blüten ausserordentlich vielfältige Formen entwickelt. Rund die Hälfte aller Orchideenarten werden von Bienen bestäubt; Schmetterlinge, Zweiflügler (Fliegen und Mücken), Vögel und andere Tiere bestäuben die übrigen Arten. Viele Orchideenblüten sind an die Bestäubung durch eine einzige Insektenart angepasst.
Im Bau ihres Pflanzenkörpers unterscheiden sich die einzelnen Orchideenarten nicht so stark voneinander wie in der Gestalt ihrer Blüten, aber es gibt immer noch viele verschiedene Formen, entsprechend den vielen Habitaten, in denen sich Orchideen finden. Rund die Hälfte der Arten sind Epiphyten, d. h., sie wachsen auf Bäumen, die ihnen nur als Träger dienen, andere sind Parasiten (vgl. separate Kolonne, links), wieder andere Saprophyten (leben von sich zersetzender Materie). Einige wenige australische Arten verbringen ihr ganzes Leben vollständig unterirdisch.
Von ihrer ausserordentlichen
Beliebtheit bei Liebhabern einmal abgesehen, sind Orchideen nur von geringem
wirtschaftlichem Wert. Allerdings gewinnt man aus den Früchten der Echten Vanille
das Vanille-Aroma. Diese Art wird in tropischen Ländern weithin angepflanzt.
Durch Kreuzung sind Tausende neuer Orchideensorten gezüchtet worden.
Systematische
Einordnung:
Orchideen bilden die Familie Orchidaceae. Die Echte Vanille wird systematisch als Vanilla planifolia bezeichnet.
Pflege:
Für Orchideen aus den Tropen ist der Winter die Hauptblütezeit. Die beliebte Schmetterlingsorchidee (Phalaenopsis) beispielsweise stammt von den Philippinen und treibt jetzt viele Blütenknospen. Damit diese sich gut entwickeln können, brauchen Schmetterlingsorchideen bis Februar einen sehr hellen Standort, am besten am Südfenster oder 3–4 Stunden täglich Zusatzlicht mit einer Pflanzenleuchte. Allen im Winter blühenden Orchideenarten bekommt tägliches Besprühen der Luftwurzeln und des Rindensubstrats mit enthärtetem Wasser sehr gut. Dann braucht man auch nicht zusätzlich zu giessen, denn wenn das Substrat zu nass ist oder Wasser im Untersetzer steht, faulen die Wurzeln. Alle tropischen Orchideen brauchen im Winter mindestens 15 °C Lufttemperatur.
Miltonia-Hybriden lieben einen halbschattigen Platz und stehen am liebsten am Ost- oder Westfenster.
Frauenschuhe (Paphiopedilum) lieben feuchtes Substrat, aber kein Wasser in den Blattachseln oder im Untersetzer.
Erst wenn der Blütentrieb der Phalaenopsis gelb wird und vertrocknet, schneidet man ihn ab.
So vermeiden Sie Kälteschäden
an Orchideen: Empfindliche Zimmerpflanzen wie die Schmetterlingsorchideen können
Schaden nehmen, wenn die Blätter oder Blüten bei Frostwetter die Fensterscheiben
berühren. Ein Streifen Luftpolsterfolie an der Scheibe schützt die Pflanzen
vor der Kälte. Auch eiskalte Zugluft ist für viele Pflanzen schädlich. Lüften
Sie nur an frostfreien Tagen oder bringen Sie die Pflanzen vorher in einen anderen
Raum. Im Durchzug von Haustür und Flur sollten wärmeliebende Exoten wie z. B.
Drachenbäume besser nicht stehen. ![]()

Farbe
und Geruch von Orchideenblüten können Hinweise auf die Bestäuber geben. Süsslich
duftende Blüten werden oft von Bienen bestäubt, faulig riechende dagegen zumeist
von Fliegen.

Die
Wurzeln von Epiphyten ähneln denen der Pflanzen, die in der Erde wachsen, in
Struktur und Funktion. Sie ermöglichen es den Pflanzen, auf Bäumen und Büschen
zu wachsen.
Epiphyten,
auch Aerophyten oder Luftpflanzen, Pflanzen, die nicht im Boden wurzeln, sondern
sich an Bäume oder andere hohe Objekte heften, um ausreichend mit Licht und
Feuchtigkeit versorgt zu werden. Epiphyten leben nicht parasitär. Stattdessen
nehmen sie Luftfeuchtigkeit und Staubpartikel auf. Dazu dienen im Wesentlichen
spezialisierte Blätter und bei vielen Arten so genannte Luftwurzeln, die gleichzeitig
der Verankerung dienen. Die fleischigen Blätter epiphytischer Orchideen dienen
als Nährstoff- und Wasserspeicher. Die Blätter einiger Ananasgewächse (Bromeliengewächse)
sind so angeordnet, dass sie Wasser auffangen, oder sie tragen Schuppen, die
sich während feuchter oder trockener Perioden öffnen bzw. schliessen. In gemässigten
Zonen gibt es viele Moose, Flechten und Algen, die als Epiphyten leben, in tropischen
und subtropischen Gegenden sind Farne und Kakteen häufig Epiphyten. Tillandsien
und tropische Geweihfarne sind bekannte Luftpflanzen.