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Die Pflanze des Monats Juni 2000: Rosen

Die Rosengewächse umfassen Bäume, Sträucher und - überwiegend mehrjährige - krautige Pflanzen. Typisch ist das Vorhandensein von Nebenblättern (blattartige Auswüchse am Ansatz des Blattstieles) an den ungeteilten bis tief zerteilten oder gefiederten Blättern. Die schalenförmigen Blüten besitzen in der Regel fünf Kelchblätter, fünf nicht miteinander verwachsene Kronblätter sowie zahlreiche Staubblätter. Die weiblichen Organe der Blüte bestehen aus einem bis vielen Stempeln, die frei stehen oder in verschiedener Weise miteinander verwachsen sind. Der Fruchtknoten ist oberständig oder - häufiger - mittelständig, wobei die Kelch- und Kronblätter und die Staubblätter auf dem Rand einer krugförmigen Struktur des Blütenbodens (Ansatzstelle der Blütenorgane) sitzen.

Rosengewächse ist eine grosse, weltweit mit Schwerpunkt in den gemässigten Zonen der Nordhalbkugel verbreitete Familie der Blütenpflanzen mit ungefähr 110 Gattungen und 3 100 bis 3 400 Arten, zu der zahlreiche wichtige Nutz- und Zierpflanzen gehören. Die Familie zählt zur Ordnung der Rosenartigen, der noch mehrere weitere Pflanzenfamilien angehören (je nach Auffassung umfasst die Ordnung zwischen 11 und 24 Familien), darunter die Steinbrechgewächse, die Dickblattgewächse und die Sonnentaugewächse.

 Rosen als Nahrungslieferanten

Viele der wichtigsten Obstgehölze zählen zu den Rosengewächsen und sind als Nahrungslieferanten wirtschaftlich sehr bedeutsam. Zu den wichtigsten, in den gemässigten Zonen angepflanzten Obstbäumen gehören Apfelbaum, Birnbaum, Pfirsich, Pflaumenbaum, Kirschbaum, Aprikosenbaum, Mandelbaum, Nektarine, Japanische Mispel (auch Wollmispel genannt) und Quitte. Wichtige Beerensträucher der Familie sind Himbeere, Brombeere und Kratzbeere, alles Arten der grossen Gattung Rubus. Auch die Erdbeere gehört zu den Rosengewächsen. Bedeutende Zierpflanzen der Familie sind u. a. Fingerkraut, Weissdorn, Felsenbirne, Zierkirsche, Zier- oder Scheinquitte und Eberesche.

 Häufigste Gartenblume der Welt

Wegen ihres Duftes und der Schönheit ihrer Blüten werden Rosen seit alters geschätzt und angepflanzt. Heute ist sie die beliebteste und am häufigsten kultivierte Gartenblume der Welt. Die Gattung umfasst etwa 100 Arten, von denen die meisten in den gemässigten Zonen der nördlichen Hemisphäre beheimatet sind. Gepflanzt werden sowohl verschiedene Arten der Wildrosen, die züchterisch kaum verändert wurden, als auch die über 20 000 Sorten der Kulturrosen, die es weltweit gibt und die das Ergebnis sorgfältiger Kreuzung und Selektion auf der Basis weniger Arten sind. Zu dieser unüberschaubaren Vielfalt kommen jedes Jahr ausserdem zahlreiche neue Sorten hinzu. Diese Kulturformen werden unterschiedlich klassifiziert; meist unterscheidet man Strauchrosen (einmal- und öfterblühend), Kletterrosen (ebenfalls einmal- und öfterblühend) und Beetrosen, wobei letztere in die Gruppen Polyantha-Rosen, Floribunda-Rosen und Edelrosen (so genannte Teehybriden) unterteilt werden, wobei es jedoch Übergänge zwischen den Gruppen gibt. Ausserdem gibt es noch weitere, kleinere Gruppen wie die Bodendeckerrosen, die so genannten Alten Rosen - Sorten, die bereits vor vielen Jahrzehnten entstanden und teilweise sogar bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden können - und die Englischen Rosen, eine neue Sortengruppe, die erst vor wenigen Jahren in England entstand und Merkmale der Alten Rosen mit denen moderner Beetrosen verbindet.

 Rosen lieben die Sonne

Rosen können in jedem guten, gut dränierenden (wasserdurchlässigen) Gartenboden angepflanzt werden. Rosen lieben wärmere Temperaturen und Sonne und gedeihen am besten, wenn ihr Wurzelbereich unbeeinflusst von den Nachbarpflanzen ist. Man pflanzt sie also, wenn überhaupt, dann mit flachwurzelnden Arten zusammen. Rindermist ist der beste Rosendünger (siehe Düngemittel), man setzt aber auch andere organische Dünger ein, z. B. Komposterde. Rosen müssen stark und fachkundig beschnitten werden (siehe Baumschnitt), und zwar unterschiedlich je nach Sortengruppe. Die meisten Rosenvarietäten werden durch Okulation gezogen; die Unterlage (wurzelbildender Teil der Pflanze) wird aus Samen oder Ablegern bestimmter Arten bzw. Sorten gewonnen; auf diese Unterlage veredelt man ein Auge der Edelsorte. Obwohl Rosen häufig von verschiedenen Krankheiten oder Schädlingen befallen werden, gelten sie am richtigen Standort doch als recht robust.

 Systematische Einordnung

Der wissenschaftliche Name der Rosengewächse ist Rosaceae, die Familie zählt zur Ordnung Rosales. Die namengebende Gattung Rose heisst botanisch Rosa. Zierkirschen gehören zur Gattung Prunus, Zier- oder Scheinquitten bilden die Gattung Choenomeles (fälschlich auch Chaenomeles) und Ebereschen die Gattung Sorbus, zu der auch die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) zählt. Die Gartensorten der Rose stammen von verschiedenen Arten ab, teilweise lässt sich ihr Ursprung nicht mehr genau zurückverfolgen. Beteiligt an der Zucht waren u. a. die Arten Rosa chinensis (Bengal- oder Chinarose), Rosa x borbonica (Bourbonrose), Rosa odorata (Teerose), Rosa x polyantha und Rosa x rehderiana; aus der Kreuzung der beiden letztgenannten Hybriden gingen z. B. die Polyantha-Hybriden hervor.

 Tipps und Fragen:

Woher kommen die Rosenkugeln? Die buntschillernden Glaskugeln wurden bereits im 13. Jahrhundert in Venedig als Symbole der Fruchtbarkeit aufgestellt. Als "Lichtkugeln" spiegelten sie in der Barockzeit die Sonne und den Schein der zur Illumination herrschaftlicher Gärten aufgestellten Fackeln wider, und als "Traumkugeln" begleiteten sie den Märchenkönig Ludwig II. Zum Vertreiben von Raubvögeln verwendete man die "Habichtskugeln" in den Bauerngärten, als "Rosenkugeln" tauchen sie erstmals in der Biedermeierzeit auf. Wenn Sie die Kugeln in Ihrem Garten aufstellen, sollten Sie sparsam damit umgehen und die Farben passend zu den Blüten auswählen.

Was tun gegen Sternrusstau? Welcher Rosenliebhaber kennt sie nicht, die kleinen braunen Flecken auf den Blättern seiner Schützlinge? Meist nach der ersten Blüte breiten sie sich sichtbar aus, und bald darauf fällt das Laub ab. Sternrusstau wird durch einen Pilz verursacht, der an den Zweigen der Rose, vor allem aber im Boden überwintert. Von dort werden die Sporen durch auftreffendes Giess- oder Regenwasser auf die Rosen gespritzt und breiten sich je nach Empfindlichkeit der Sorte mehr oder weniger rasch aus. Die erste vorbeugende Massnahme gegen den Sternrusstau ist deshalb die Auswahl robuster Züchtungen mit dem Gütezeichen ADR. Weiterhin lässt sich das Aufspritzen der Pilzsporen durch geeignete Unterpflanzung und Einsammeln kranker Blätter etwas eindämmen. Die Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel sollte schon vorbeugend beginnen, spätestens ab Ende Mai, und muss regelmässig wiederholt werden. Eine ausreichende Nährstoffversorgung kräftigt die Rosen und macht sie so widerstandsfähiger.

Unterpflanzung - ja oder nein? Rosen sehen in Kombination mit anderen Pflanzen nicht nur attraktiver aus, eine Unterpflanzung trägt - richtig gemacht - auch zu ihrem Wohlbefinden bei. Besonders gut unterpflanzen lassen sich Strauchrosen, Kletterrosen und Beetrosen. Lediglich Edelrosen bzw. Teehybriden haben etwas gegen allzu direkte Nachbarschaft. Geeignet sind niedrige Stauden und einjährige Sommerblumen vor allem in Blautönen, Hellgelb, Weiss oder mit silbrigem Laub. Setzen Sie die Pflanzen in so grossem Abstand, dass die Rosen nicht bedrängt werden (sehr wichtig bei niedrigen Beetrosen), und bedenken Sie, dass auch die Unterpflanzung Nährstoffe verbraucht. Dünger also etwas grosszügiger verteilen. Dafür müssen unterpflanzte Rosen meist weniger gegossen werden, der Befall durch Sternrusstau wird reduziert, und auch Unkraut kommt kaum noch auf. Bodendecker unter Rosen: Frauenmantel, Storchschnabel, Schleifenblume, Katzenminze, niedriger Lavendel, Ziersalbei, Minze, niedriges Schleierkraut, Duftsteinrich, Leberbalsam, Lobelien.

Schadet Rindenmulch den Rosen? Rindenmulch ist ein inzwischen weit verbreitetes Mittel, um den Boden unter Rosen länger feucht und weitgehend frei von Unkraut zu halten. Durch den Belag bleibt die Erde, auch wenn man sie hin und wieder betritt, ausserdem schön locker, was für das Gedeihen der Rosen bekanntlich besonders wichtig ist. Der einzige Nachteil von Rindenmulch: Er entzieht dem Boden Stickstoff. Geben Sie deshalb, ähnlich wie bei einer Unterpflanzung, vor allem im Frühjahr etwa 30 Prozent mehr Dünger. Nehmen Sie zum Mulchen ausserdem nicht ganz frische, sondern etwas abgelagerte, ankompostierte Rinde. Die ausgebrachte Schicht sollte drei bis fünf Zentimeter dick sein und muss alle zwei Jahre erneuert bzw. ergänzt werden. Optimal eignet sich Rindenmulch für pflegeextensiv angelegte Gartenbereiche mit Wild-, Strauch- und Bodendeckerrosen.


 Einige Rosen-Links: zum Surfen