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Die Pflanze des Monats August 2000: Zitrone

Die Zitrone dürfte erst sehr spät aus dem Indischen Grossraum den Weg in das chinesische Kaiserreich gefunden haben. Von dort aus gelangte sie wohl nach Persien und Arabien. Schnell verbreitete sich die Zitrone zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert im Mittelmeergebiet, von wo aus Seefahrer sie in alle Welt mitnahmen. Kreuzfahrer brachten die Frucht aus Palästina nach Europa. Ihr Saft galt als Mittel gegen Skorbut, und so dürfte sie durch Kolumbus um 1493 mit anderen Samen nach Amerika gekommen sein.

Zitronenbäume werden heute überall in den tropischen und subtropischen Gebieten der Erde angebaut, besonders aber in Italien, Spanien, Portugal und Kalifornien. Die Kulturform der Zitrone ist vermutlich eine Kreuzung zweier Wildformen, höchstwahrscheinlich von Limone und Zitronatzitrone.

Zitronenbäume werden drei bis sechs Meter hoch; sie tragen nur wenig Laub. Die Blüte weist fünf Kelchblätter, fünf Kronblätter, zahlreiche Staubblätter und einen einzelnen Stempel auf. Die Oberseite der Kronblätter ist weiss, ihre Unterseite leicht rötlich. Die Blüten des Zitronenbaumes strömen einen süssen Duft aus, der dem Duft der Orangenblüten vergleichbar, aber weniger ausgeprägt ist.

Die meisten Kulturvarietäten der Zitrone sind Hybriden, die wenig oder keinen echten Samen entwickeln. Beim Anbau werden die Pflanzen vermehrt, indem Knospen auf Keimpflanzen verwandter Arten, beispielsweise der Apfelsine oder der Grapefruit, gepfropft werden. Die Pflanzen werden in fruchtbaren Boden gepflanzt, der laufend gedüngt wird. Je nach Sorte, Klima und topographischer Lage stehen die Baumreihen in fünf bis acht Meter Abstand zueinander. Wenn nicht extreme Temperaturverhältnisse die Blüte verzögern, entwickeln sich während des ganzen Jahres Früchte. Sechs bis zehn Mal jährlich können die noch grünen, aber fast schon reifen Früchte gepflückt werden; sie reifen dann bei mässig warmen Temperaturen nach. Voll entwickelte Zitronenbäume können jährlich 1 000 bis 2 000 Früchte tragen.

 Kreuzungen

Es gibt heute eine Vielzahl von Kreuzungen und Hybriden. Zu Zierzwecken werden gerne gescheckte (Variegata-)Zitronen angeboten, deren Fruchtsaft jedoch normalen Zitronen entspricht. Es gibt aber inzwischen in Florida und Kalifornien Mutationen mit leicht rötlichem Fruchtfleich. Pink Variegated 'Eureka' Lemon ist solch eine Sorte. Auch der Fruchtsaft dieser Variet”t ist rötlich. 'Meyer' Lemon ist eine Kreuzung aus Zitrone, wahrscheinlich 'Eureka' und Orange (Citrus sinensis). Diese Kreuzung ist weniger wuchsstark, besitzt dunkleres Fruchtfleisch und eine dunkelgelbe dünne Schale. Das Aroma ist nicht so streng sauer. Lemonquats sind Kreuzungen mit Kumquat, um die Frosthärte zu steigern und das Aroma zu verbessern. Lipo ist eine Kreuzung aus Zitrone (Citrus limon) und Grapefruit bzw. Pumelo. Die Früchte sind wesentlich grösser (bis zu 2 kg und 25 cm im Druchmesser), eher rund, mit hellem Fruchtfleisch, sehr saftig und etwas milder in Fruchtsäuren. Es existieren auch Kreuzungen mit Citrus medica, diese werden jedoch ausschliesslich der zierenden Früchte wegen angepflanzt. Viele Zitronen sind als wertvolle Citrus-Unterlagen in Verwendung, z.B. Rough Lemon, Volkamer Lemon (wahrscheinlich eine Kreuzung mit Pomeranze).

 Anwendung

Zitronensaft dient als Getränk, als Bestandteil von Getränken und Salatsaucen sowie als Aromastoff. Das Fruchtfleisch wurde früher bei der kommerziellen Herstellung von Citronensäure, C6H8O7, eingesetzt, heute findet es bei der Herstellung von Zitronensaft-Konzentrat Verwendung. Dank seines hohen Vitamin-C-Gehalts kann dies arzneilich eingesetzt werden. Argentinische Forscher fanden heraus, dass zwei Esslöffel Zitronensaft pro Liter Wasser ausreichen, um alle Choleraerreger abzutöten. Diese Entdeckung ist für Südamerika von grosser Bedeutung, weil in vielen Gebieten Choleragefahr besteht und Zitronen andererseits leicht erhältlich sind.

 Pflege von Citrus-Früchte

Obwohl Zitrusgewächse ursprünglich aus Südostasien stammen, sind viele nicht auf tropisches Klima angewiesen. Aus der riesigen Zahl von weltweit über 5000 Züchtungen fühlen sich Orangen, Pomeranzen, Mandarinen, Zitronen und Kumquat im Sommer auf Balkon und Terrasse am wohlsten. Den Winter verbringen sie an einem hellen, 8 bis 12 Grad Celsius kühlen Platz im Haus.

Viel in der Citruspflege hängt von der verwendeten Veredelungsunterlage ab. Während Veredelungen auf Poncirus trifoliata das Giessen mit kalkhaltigem Wasser übelnehmen, dafür aber etwas Staunässe ertragen, toleriert die Pomeranze (Citrus aurantium) eher das kalkhaltige Wasser als die Staunässe. Vor alle im Winter führt Staunässe bei Citrus aurantium schnell zu Wurzelfäule und zu Schwierigkeiten im Frühjahr und Sommer. So muss auf jeden Fall die Erde eine sehr gute Drainage aufweisen. Günstige Erdmischungen bestehen aus Garten- oder Kübelpflanzenerde, die mit groben Materialien zur Drainage durchsetzt ist. Es gibt unzählige Mischungen, doch diese ist in der Praxis sehr bewährt: Ein Teil Sand, ein Teil Blumenerde, ein Teil Kieferrinden-Substrat (wie für Orchideen) und ein Teil Tongranulat, z.B. Seramis. Gleich nach dem Kauf neue Erde einfüllen. Um den Wasserablauf zu verbessern, kann der Sandanteil gesteigert werden, oder man gibt Hydroblähton oder Basaltsplit bei. Diese Mischung wird zur Kultur verwendet und zeichnet sich durch sehr gute Drainage, gute Luftführung, akzeptables Gewicht und ausreichende Fähigkeit zum Speichern von Nährstoffen und Wasser aus. Bei Verwendung von Poncirus trifoliata als Unterlage sollte allerdings der Seramisanteil reduziert werden und zu Gunsten von Erde verändert werden. Fragen Sie in der Gärtnerei oder im Gartencenter gleich beim Kauf nach einer guten Mischung, denn die meisten Citruspflanzen müssen alsbald umgetopft werden.

 Fingerspitzelgefühl beim Giessen!

Beim Giessen sollten Sie ein gewisses Fingerspitzengefühl entwickeln. Viele Citruspflanzen sterben eher durch zuviel Wasser als durch Trockenheit. Die Symptome sind in beiden Fällen gleich: Die Blätter wirken welk, die Blattseiten rollen sich nach oben ein, zum Teil vertrocknet das Laub. In diesem Fall sollten Sie sogleich die Erde prüfen. Stecken Sie einen Finger in die Topferde und fühlen Sie, ob das Substrat noch feucht ist. Sollte es sich trocken anfühlen, giessen Sie sehr reichhaltig. Ist Feuchte, ja sogar Nässe zu spüren, nicht giessen! Haben Sie Geduld, die Pflanze nimmt sich aus dem Erdreich, was Sie an Feuchte benötigt. In heissen Sommerperioden müssen Sie die Erde häufiger prüfen. Mit der Zeit wächst Ihre Erfahrung und Sie erkennen schnell, ob gegossen werden muss oder nicht.

Manchmal ist auch kalkhaltiges Wasser gut Obwohl viele Veredelungsunterlagen kein kalkhaltiges Wasser vertragen, ist Kalk ein wichtige Baustoff der Pflanze und ein Pufferträger im Erdreich. Daher empfiehlt es sich, gerade zur Wachstumszeit ab und zu mit 'hartem' Leitungswasser zu giessen. Sollten Sie die Wasserhärte in Ihrem Ort nicht kennen, fragen Sie das Wasserwerk übers Servicetelefon. Regenwasser ist trotz mancher Warnungen zu empfehlen. Sollte es etwas trübe sein, lässt man es einige Tage stehen, damit sich ein Bodensatz bildet. Vorsichtig abgiessen und kräftig umrühren. Luft im Wasser belebt das abgestandene Regenwasser wieder.

Im Frühjahr, während der Regenperioden, empfiehlt es sich, die Topferde abzudecken (Folie), damit Pflanzen im Freiland nicht ertrinken. Prüfen Sie regelmässig die Substratfeuchte, denn oft giesst der Regen nicht so durchdringend wie Sie, also helfen sie bei Bedarf etwas nach.

 Düngen

Viel Stickstoff, viel Kalium! Beim Düngen achten Sie auf ein ausgeglichenes Nährstoffverhältnis. Vom US Department of Agriculture, Section Citriculture, in Orlando/Florida wurde mir ein Verhältnis von Stickstoff zu Phosphor zu Kalium 10:8:10 empfohlen, wobei besonders auf eine gute Balance zwischen Stickstoff und Kalium geachtet werden sollte. Wir Citrus-Freude Europa verwenden eine spezielle Düngermischung, die sogar noch die Jahreszeiten berücksichtigt und damit speziell auf Citrus in unseren Breiten abgeglichen ist. Eigentlich verträgt Citrus jede Form von Dünger, nur auf Überdüngen reagiert Citrus recht schnell. Dann zunächst nicht mehr düngen und abwarten, bis die Blätter des Neuaustriebs keine Düngeschäden mehr anzeigen. Ab jetzt wesentlich vorsichtiger düngen als zuvor!

 Standort

Vor Wind schützen! Der Standort sollte Schutz vor Wiind und zugleich volle Sonne bieten. Citruspflanzen benötigen viel Wärme, weshalb Süd- oder Südwestlagen vorteilhafter sind als sonnige Ostlagen. Nordlagen tolerieren einige Pflanzen zwar auch, doch dort kommt es selten zu Blüten und Früchten, und oft sterben die Pflanzen nach einiger Zeit an Lichtmangel. Eine Wand in nördlicher Richtung Norden gibt in den Nächten Wärme ab, weshalb hier ein besonders gutes Klima entsteht, zusätzlich werden die Pflanzen so vor den kühlen Nordwinden geschützt. Die Kübel stellen Sie etwas vom Boden erhöht auf, beispielsweise unter Zuhilfenahme von Klötzchen oder Leisten. Das überschüssige Wasser kann dann ungehindert abfliessen. Zusätzlich bietet eine solche Erhöhung etwas Schutz vor kriechenden Insekten und anderen Tieren, die oft in die Drainagelöcher schlüpfen.

 Pflege im Winter

Citruspflanzen gedeihen sehr gut bei viel Licht und Wärme, was in unseren Klimagebieten im Winter nicht vorhanden ist. Die Pflanzen brauchen also guten Schutz, weil fast keine Citruspflanze längere Frostperioden übersteht. Ein heller Standort mit Temperaturen zwischen 13 und 15 Grad Celsius behagt am besten. Unter dieser Voraussetzung unterbleibt auch der gefürchtete Blattfall. Dieser stellt sich ein, wenn die Erde im Kübel zu kalt geworden ist und die Pflanze kein Wasser mehr aufnehmen kann. Sie reduziert die Verdunstungsfläche, indem sie ihre Blätter abwirft. Kein Grund zur Sorge: Im Frühjahr, mit steigenden Temperaturen, treibt Citrus normalerweise kräftig wieder aus. Allerdings verstärkt die Sonneneinstrahlung im Winter den Blattfall, weil die Photosynthese trotz tiefer Temperaturen recht schnell in Gang kommt, die Wurzeln in der kühl geblieben Erde aber nicht zufriedenstellend arbeiten. Daher rate ich bei einem Standort am kühlen Südfenster oder in einem Wintergarten, entweder das direkte Sonnenlicht abzuhalten oder aber die Ballentemperatur im Kübel stets auf etwa 15 Grad Celsius zu halten. Da bleiben die Wurzeln funktionsfähig.

Mit Kunstlicht auch im Wohnzimmer: Citrus kann sogar im Wohnzimmer überwintern, wenn eine zusätzliche Beleuchtung möglich ist. Die Pflanze muss jedoch vor der aufsteigenden Heizungsluft geschützt aufgestellt werden, aber so, dass auch Tageslicht die Pflanze für mindestens sechs Stunden täglich erreicht. Ansonsten gilt ganz allgemein: Kühl und so hell wie möglich überwintern. Bei kalter Überwinterung die Lichtmenge reduzieren und vor der Mittagsonne schützen. So kommt Ihre Pflanze gut über den Winter.

 Krankheiten und Pflegefehler

Eine häufige Krankheit ist die Stammgrund- oder Wurzelfäule. Ein pilzlicher Erreger dringt unter nassen Bedingungen in aufgeweichtes oder verletztes Gewebe ein und schädigt die Pflanze sehr schwer. Bei Stammgrundfäule beginnt sich die Rinde zu schälen, und verstärkt tritt Gummifluss auf. Hier hilft nur, die Pflanze trockener zu halten und befallene Stellen mit einem sterilen Messer auszuschneiden. Danach wird die Pflanze mit einem Fungizid behandelt (zumeist auf Kupferbasis), und die Wunde muss mit einem guten Wundverschluss versiegelt werden. Bei Wurzelfäule hilft nur, die Nässe im Wurzelballen rasch abtrocknen lassen. Man kann die Pflanze auch sofort in frisches Substrat topfen, wobei soviel wie möglich vom alten Erdreich entfernt werden sollte. Mit dem Giessen von da an mehr als vorsichtig sein. Die Pflanze längere Zeit sehr trocken halten, da zunächst nur wenige Wurzeln Wasser aus dem Substrat aufnehmen können.

 Schädlinge an Citruspflanzen

Blattläuse sind wohl die häufigsten Schädlinge an Citruspflanzen. Die kleinen braunen, grünen oder schwarzen Insekten sitzen am liebsten an den jungen, noch frischen Trieben und saugen Blattsaft. Dies führt zu Blattverkrüppelungen, Triebsterben und fördert den Befall durch Ameisen. Blattläusen kann man recht einfach mit Kontaktmitteln beikommen, so z.B. mit einer Schmierseifenlösung (Kalisalze natürlicher Fettsäuren). Aber auch Kontaktgifte und systemische Insektizide sind gegen Befall erhältlich. An natürlichen Feinden stehen Marienkäfer an erster Stelle, danach folgen Räuberische Gallmücken und Vögel.

Schildläuse treten ebenfalls recht häufig auf und sind oft nur an ihren glänzenden, klebrigen Ausscheidungen zu erkennen. Die flachen, durch einen deckelartigen Schild geschützten Insekten sitzen gern an den Blattadern, in den Blattansätzen und entlang der Äste. Sie sind durch ihre grüne und braune Farbe vorzüglich getarnt und trotzen durch ihren Schild Angriffen der meisten Kontaktsprays. Hier hilft nur der Einsatz von ölhaltigen Sprays, die die Schädlinge mit einem Film überziehen und so ersticken. Beim Griff zur chemischen Waffe sollte der Vorzug systemischen Mitteln gegeben werden, da diese auch gut geschützte Schildläuse sicher erreichen.

Spinnmilben sind wohl bei unsachgemässer Überwinterung die Hauptursache für so manche geschwächte Pflanze im Frühjahr. Die winzigkleinen, rundlichen Spinnentiere sind von rötlicher oder bräunlicher Farbe und ernähren sich vom Zellsaft. Zunächst erscheinen kleine gelbliche Blattflecken, dann grössere Stellen, und es folgen Blattverkrüppelung und Triebsterben. Zwischen den Astgabeln, Blütentrauben und an den Blattansätzen sind feine Gespinste zu erkennen, woher der Name rührt. Kontaktsprays erreichen oft nicht alle Tiere und wirken nur befallsmindernd, systemische Mittel wirken hier auch sehr gut. Beide Massnahmen müssen wiederholt angewandt werden. Gut haben sich Raubmilben als natürliche Feinde bewährt, die allerdings etwas hohe Luftfeuchten benötigen. Die hohe Luftfeuchte hemmt allerdings auch die Entwicklung der Spinnmilben, was als Vorbeugemassnahme gut funktioniert, um keinen Befall aufkommen zu lassen.

Ein Tipp zum Schluss: Für Ihre eigene Gesundheit sollte etwa vier Wochen vor der Ernte kein Insektizideinsatz mehr erfolgen, um eine Belastung der Früchte zu vermeiden.

 Nutzung von Zitronen im 19. Jh.: Originaltext von 1882


Die Zitrone gehört zur Familie Rutaceae; ihr wissenschaftlicher Name lautet Citrus limon.